Energieeffizienz wird hipp: Erster EnergyEfficiency Hack in Europa

Energieeffizienz schien bisher das ungeliebte Stiefkind der Energiewende zu sein. Grüne Energie war “in” – sofern einem ein Windrad nicht direkt vor die Nase gesetzt wurde oder das benachbarte Grünland nicht mit einer riesigen Photovoltaikanlage zugebaut wurde. Auch viele Innovationen fokussierten sich auf den Bereich der erneuerbaren Energien: eMobilität auf zwei und vier Rädern und die Solarkollektoren auf dem eigenen Dach oder auf dem Auto. Doch nun deutet sich ein Wandel in der Energiewende an. Am 5./6. März fand Europas erster Hackathon zum Thema Energieeffizienz in Berlin statt. Wir haben uns das Event im Nachgang mal angesehen.

Grün, grüner – Energiewende. Bereits 2015 wurde ein Drittel des in Deutschland erzeugten Stroms mithilfe erneuerbarer Energiequellen gewonnen. In zehn Jahren soll es laut Stromreport bis zu 40 Prozent Ökostromanteil sein. Der Trend ist mehrheitsfähig: Laut einer repräsentativen Umfrage der TNS Emnid 2016 im Auftrag der AEE (Agentur für Erneuerbare Energien) unterstützen 93 Prozent aller Befragten den verstärkten Ausbau der regenerativen Energien. 55 Prozent würden das Tempo im Ausbau am liebsten weiter beschleunigen. Nur einen entscheidenden blinden Fleck gibt es bei all den guten Prognosen zum Thema Energiewende: Wir verbrauchen deutlich mehr Energie als in der Vergangenheit. Zwischen 1990 und 2015 hat sich unser Energiebedarf um 10 Prozent erhöht. Das Bundesumweltamt will diesem Trend entgegenwirken und nahm sich zum Ziel, bis 2020 diesen Zuwachs wieder zu reduzieren. Ein sportliches Vorhaben angesichts wieder steigender Bevölkerungszahlen und einem hoch entwickelten Industrieland. Innovative Querschnittstechnologien sind also gefragt – das sehen viele und auch das Bundesumweltamt so. Doch woher nehmen? Viele innovative Unternehmen und Produkte sind kaum bekannt und halten sich durch die geringe Nachfrage nicht auf dem Markt.

Eine Möglichkeit ist es, Europas kluge Köpfe aus Wirtschaft und Forschung nach Berlin einzuladen und sie zwei Tage lang über folgende Aufgaben brüten zu lassen: Wie kann die Aufmerksamkeit auf energieeffizientere Produkte gelenkt werden? Wie können Energieverbrauchs-Daten einen Wert erhalten? Können wir die Heizung für jeden intelligent machen und damit Energie einsparen?

Rund 160 Ingenieure, Programmierer, Designer, Psychologen und Unternehmer aus neun europäischen Ländern nahmen die Herausforderung an und entwickelten in einzelnen Gruppen Ideen und Konzepte für eine nachhaltige Energiezukunft. Die besten und innovativsten Ideen wurden mit Gewinnen im Wert von 10.000 Euro prämiert. Gesamtsieger wurde das internationale Team „Visualink“. Sie waren der Überzeugung, dass Verbraucher viel energieeffizienter agieren würden, wenn sie statt einer Jahresverbrauchsabrechnung ihre Energienutzung live verfolgen könnten. Das sechsköpfige Team entwickelte eine App, die in Echtzeit den Wärmeverbrauch anzeigt. Für jede gesparte Energieeinheit erhalten die Hausbewohner dabei eine virtuelle Belohnung. Das soll zum weiteren Energiesparen animieren – und nebenbei den Geldbeutel schonen. Das tolle daran: Nicht nur die Anwendung für Privathaushalte ist denkbar. Ähnliche Adaptionen des Konzeptes wären auch im industriellen Maßstab denkbar. So werden unmittelbar während des Produktionsprozesses Energiefresser ermittelt und Mitarbeiter können dank ihres Smartphones die Prozesskette energieeffizient optimieren.

Der Hackathon wurde von DENEFF – der Deutschen Unternehmerinitiative für Energieeffizienz e. V. ausgerichtet und finanziert. Sie wollen die Gewinner-Idee von „Visualink“ für alle Interessierten in den kommenden Wochen auf ihrer Website online stellen.

www.deneff.org

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