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Pellets: „Es ist das am schnellsten wachsende Segment im Bereich der erneuerbaren Energien“

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Am 11.04.2017 startete die Solarenergie Ulm ihre Fundingkampagne auf Econeers. Das Unternehmen möchte sein Geschäft mit erneuerbaren Energien um den Eintritt in den Pelletmarkt weiter ausbauen. Dazu sollen nun 400.000 Euro durch Privatinvestoren akquiriert werden. So kann eine zweite Pelletierlinie für das Werk der Pellex Bioenergie AG in Sachsenburg (Österreich) aufgebaut und die verstärkte Nachfrage nach Pellets besser bedient werden. Die Solarenergie Ulm GmbH & Co.KG hat dafür einen Pachtvertrag mit der Pellex Bioenergie AG über 10 Jahre mit anschließender Übernahme der Anlage durch die Pächterin geschlossen.

Wir haben Solarenergie Ulm-Geschäftsführer Dr. Stefan Laternser gesprochen und gefragt, warum Crowdfunding der geeignete Weg für ihn ist und warum die Zukunft den Pellets gehört.

Econeers: Hallo Herr Dr. Laternser. Die Solarenergie Ulm GmbH & Co.KG gibt es bereits seit 2011. Anfangs war Sie, wie der Name auch verrät, nur im Bereich der Solarenergie tätig. Was hat Sie dazu bewegt, sich auch in Richtung des Biomasse-Bereichs zu orientieren, speziell sich mit Brennstoff-Holzpellets zu beschäftigen?

Dr. Stefan Laternser: Nun, wir haben diese Entscheidung im Zuge der Abgabe einer größeren Solaranlage getroffen. Wir mussten lernen, dass die gesetzliche Einspeisevergütung nicht alles ist, sondern dass bei dem Betrieb von Solaranlagen durchaus erhebliche unternehmerische Risiken bestehen. Die gesetzliche Einspeisevergütung zieht eben nur dann, wenn die Anlagen auch produzieren. Wir haben uns vor diesem Hintergrund dazu entschlossen, das Spektrum im Bereich der erneuerbaren Energien zu erweitern und so das Geschäftsmodell zu diversifizieren. Die Entscheidung für die Brennstoff-Holzpellets war einfach, denn dies ist das am schnellsten wachsende Segment im Bereich der erneuerbaren Energien. Zudem ist die Branche seit 2016 erheblichen Bewegungen unterworfen, die bei rechtzeitiger Positionierung auf mittlerer Zeitachse überproportionale Renditen erwarten lassen.

Econeers: Warum meinen Sie, ist gerade dieses Segment ein Wachstumsmarkt? Schließlich steigen Sie jetzt in den Pelletmarkt ein und nicht schon 2011 oder erst in 2030.

Dr. Stefan Laternser: Das ist wesentlich auf die Branchenbewegungen in 2016 zurückzuführen, die eine Neuordnung des Pelletsmarktes eingeleitet haben. Hierin liegt die konkrete Chance, weil entweder Produktionsstandorte günstig erworben werden können oder Produktionsstandorte für die frei gewordenen Marktanteile ausgebaut und für die Zukunft fit gemacht werden. An dieser Entwicklung wollen wir teilhaben. Antizyklisch nutzen wir jetzt die bestehenden Möglichkeiten der konkreten Branchenveränderungen und der – nach einer Warmwinterperiode – wieder zu erwartenden kälteren Winter.

Econeers: Sie sind sehr zuversichtlich, angesichts der Marktentwicklungen. Wird sich die Solarenergie Ulm irgendwann auch in ihrem Firmennamen sprachlich breiter aufstellen?

Dr. Stefan Laternser: Ich bin von Haus aus Analyst und insofern überfordert mich diese Frage etwas. Ich möchte zunächst einmal die bestehenden erheblichen Marktchancen ausnutzen und unseren Econeers die erwartete Performance liefern. Mit den bereits geplanten Folgeprojekten stellt sich dann irgendwann sicherlich auch die Namensfrage.

Econeers: Nachdem Sie sich für die Realisierung des Projektes entschieden haben, standen Sie vor der Frage der Finanzierung. Können Sie uns kurz erläutern, welche Gründe Sie dazu bewegt haben eine Crowdfunding-Kampagne durchzuführen?

Dr. Stefan Laternser: Das ist eine berechtigte Frage, wenn man das hiesige Zinsniveau berücksichtigt, denn eine Crowd-Finanzierung ist vergleichsweise teuer. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt jedoch, dass die Kreditinstitute ihr angestammtes Geschäft, nämlich das Vergeben von Krediten, nur unwillig verfolgen und unternehmerische Expansionsfinanzierungen schon garnicht auf dem viel gepriesenen niedrigen Zinsniveau anbieten. Hinzu kommt, dass wir hier einerseits eine grenzüberschreitende Transaktion durchführen, was aus Kreditsicht nur schwer mit den geltenden Basel-III-Richtlinien darzustellen ist, und andererseits die herausgegebenen Nachrangdarlehen weitestgehend Eigenkapitalcharakter haben. Wir stärken also letztlich unsere Bilanz.

Econeers: Ihr Econeers-Crowdfunding ist am 11.04.2017 gestartet. Wie zufrieden sind Sie mit dem Start und was erhoffen Sie sich von dem weiteren Verlauf des Fundings?

Dr. Stefan Laternser: Der Start war vielversprechend und ein Abflachen der Nachfrage war nach der Early-Bird-Phase zu erwarten. Wer dabei sein wollte, hat typischerweise zunächst den Bonus mitgenommen. Nun hoffe ich allerdings, dass die Econeers, die sich noch nicht zu einer Zeichnung entschließen konnten, sich den immer noch sehr attraktiven Zins und die laufende Tilgung im Verhältnis zu anderen Anlagemöglichkeiten in der gebotenen Ruhe anschauen und die Marktmöglichkeiten erkennen. – Ich gehe fest davon aus, dass der Bonuszins in voller Höhe erreicht wird.

Econeers: Können Sie für die zukünftigen Investoren nochmal in fünf kurzen Sätzen zusammenfassen, warum ein Investment in Ihr Projekt lohnenswert ist?

Dr. Stefan Laternser: Wir bieten hier eine sachwertgesicherte Anlage an; der Investition steht also eine Sache mit einem materiellen Wert gegenüber, unabhängig von Geldwertschwankungen. Wir haben einen Top-Standort für unsere Investition. Wir bieten eine attraktive Rendite verbunden mit einer laufenden Tilgung. Wir erzielen durch die Verpachtung der Produktionsanlage berechenbare Renditen bei reduziertem unternehmerischen Risiko. Und last but not least, wir tun etwas für die Umwelt und tragen mit den Econeers dazu bei, dass die Welt etwas besser wird.

Econeers: Auf Ihrer Website kann man sehen, dass auch in Zukunft weitere Projekte insbesondere im Solarbereich geplant sind. Können Sie uns schon konkrete Einblicke geben, welche Projekte in näherer Zukunft realisiert werden bzw. wie Ihre Zukunftspläne für die Solarenergie Ulm GmbH & Co.KG aussehen?

Dr. Stefan Laternser: Wir haben derzeit schon drei Solarprojekte im Bereich 300 bis 600 kWp mit äußerst attraktiven Erwerbspreisen von etwa EUR 1.300 pro kWp in der Pipeline. Soweit wir unser laufendes Crowd-Funding-Projekt erfolgreich abschließen können, wollen wir kurzfristig das erste diese Solarreihe wiederum im Crowd-Funding anbieten. Unsere
Pelletsaktivitäten werden wir darüber hinaus an einem weiteren Standort in Österreich ausweiten. Letztlich wollen wir mehrere Segmente im Bereich der erneuerbaren Energien im Sinne eines diversifizierten und gut ausbalancierten Geschäftsmodells besetzen.

 Econeers: Vielen Dank für Ihre ausführlichen Antworten. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der laufenden Crowdfunding-Kampagne.

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