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Messe Heldenmarkt zeigt nachhaltige Konsum-Ideen

Für viele wird ein nachhaltiger und grüner Lebensstil oft noch negativ mit der Althippie-Generation in Verbindung gebracht und hat somit das “Geschmäckle” von realitätsferner Lebenskunst. Dass dies ganz und gar nicht der Fall ist, zeigen die zahlreichen unterschiedlichen Besucher der deutschlandweiten Messe “HELDENMARKT”. Seit dem Start der Messe im Jahr 2010 in Berlin freut sich der HELDENMARKT über eine stetig steigende Besucherzahl und über das wachsende Bewusstsein der Menschen für ihren eigenen ökologischen Fußabdruck. Mittlerweile ist der HELDENMARKT zu Deutschlands größter Verbrauchermesse für nachhaltigen Konsum herangewachsen. Neben zahlreichen Ausstellern aus den Bereichen Lebensmittel, Mode, Kosmetik und Wohnen, sind auch grüne Mobilität und grüne Geldanlagen ein Thema.
Wir sprachen mit dem Gründer des HELDENMARKTS Lovis Willenberg über die Anfänge der Messe, über die unterschiedlichen Aussteller und auch über seinen persönlichen Lebensstil.

Econeers: Vielen Dank Lovis, dass du dir heute die Zeit für uns nimmst. Vielleicht magst du dich unseren Lesern zunächst kurz vorstellen?

Lovis Willenberg: Ja klar, also da gibt’s eigentlich gar nicht so viel zu sagen. Ich bin gebürtiger Berliner, gelernter Gärtner und DJ und habe versucht, diese zwei Leidenschaften miteinander zu verbinden: Veranstaltungen und Ökologie. So ist der HELDENMARKT entstanden.

Econeers: Den HELDENMARKT gibt es nun bereits seit 8 Jahren. Wie kamst du auf die Idee? Gab es einen speziellen Auslöser in deinem Leben dafür?

Lovis Willenberg: Im Jahr 2006 las ich im Greenpeace Magazin einen Artikel über Schuhe, die aus 99 Prozent Recyclingmaterialien hergestellt waren. Das fand ich spannend, diese Schuhe waren nachhaltig und sahen zudem noch cool aus. Bisher dachte ich, Ökomode sieht auch ökig aus.
Da es den Schuh aber nirgendwo in der Nähe zu kaufen gab, beschloss ich, ihn selbst zu importieren und in meinem Berliner Plattenladen zu verkaufen, um die Idee zu verbreiten und ihn zugänglich zu machen. Es kamen immer mehr Produkte hinzu und ich merkte, dass die Leute Interesse an nachhaltig produzierten Produkten haben. Es musste eine Plattform her, die den Menschen den Zugang zu umweltfreundlichen Alternativen ermöglicht. Die Idee des HELDENMARKTS war geboren.

Econeers: Welches Konzept steht hinter dem “HELDENMARKT”? Und was genau wollt ihr mit eurer deutschlandweiten Messe erreichen?

Lovis Willenberg: Wir möchten Leute mit Visionen deutschlandweit zusammenbringen. Das sind zum einen Aussteller, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen eine umweltfreundliche Alternative zum konventionellen Überangebot unserer Konsumgesellschaft bieten. Diesen Visionären möchten wir eine Plattform bieten, um ihren Produkten und Dienstleistungen mehr Bekanntheit zu verschaffen. Zum anderen möchten wir mit dem HELDENMARKT zeigen, dass es ganz einfach ist, in (fast) jedem Lebensbereich nachhaltig und verantwortungsbewusst zu konsumieren, ohne auf irgendetwas verzichten zu müssen und dass Nachhaltigkeit richtig sexy und stylisch ist.

Econeers: Beim HELDENMARKT handelt es sich um eine Endverbrauchermesse für nachhaltigen Konsum. Sprecht ihr bei eurer Messe wirklich nur die privaten Verbraucher an oder lohnt sich der Besuch auch, um B2B-Kontakte zu knüpfen?

Lovis Willenberg: Genau, es handelt sich beim HELDENMARKT um eine Endverbrauchermesse, aber meistens läuft auch Fachpublikum bei uns herum, um zu schauen, was es Neues am Markt gibt, um Kontakte zu knüpfen oder vielleicht neue Produkte für den eigenen Einzelhandel kennenzulernen.

Econeers: In den letzten Jahren erfreute sich eure Messe steigender Besucherzahlen. Habt ihr das Gefühl, das sich auch das Bewusstsein der Leute für Nachhaltigkeit in den letzten Jahren verändert hat?

Lovis Willenberg: Ich würde sagen, dass sich in den letzten Jahren sehr viel getan hat, wobei ich da immer versuche, vorsichtig zu sein, weil ich mich mit dem HELDENMARKT natürlich in einer Art Blase bewege, in der alle Menschen Ökos sind. Aber betrachtet man z. B. die vielen neuen Unternehmen und Start-ups, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen umweltfreundliche Alternativen schaffen, die zunehmende Bio-Markt-Dichte und auch die zunehmende mediale Berichterstattung über Themen wie Mikroplastik usw., glaube ich, dass sich in den letzten Jahren in den Köpfen der Menschen ganz viel getan hat – zum Glück!

Econeers: Nachhaltigkeit hat auch viel mit Regionalität und kurzen Transportwegen zu tun. Würden wir auf eurer Messe überhaupt Aussteller mit bundesweiten oder gar internationalen Vertriebswegen finden?

Lovis Willenberg: Auf dem HELDENMARKT sind meistens um die 50 Prozent der Aussteller aus der jeweiligen Region. Wir haben aber auch auf jedem HELDENMARKT Aussteller dabei, die bundesweit aktiv sind. Das sind oft ortsungebundene Unternehmen, wie Banken und Ökostromanbieter. Wir sind uns natürlich bewusst, dass weite Anreisewege CO2 verursachen, wollen aber auch niemanden ausschließen. Mit unserem Projekt Regional Kompensiert machen wir den HELDENMARKT trotzdem zu einer klimaneutralen Veranstaltung. Wir zahlen pro ausgestoßener Tonne CO2 einen Betrag an einen regionalen Bauernhof zur Förderung des Humus-Anbaus. Der Humus kann dann wiederum CO2 in der Höhe binden und der Atmosphäre entziehen, die wir und unsere Aussteller durch z. B. Transportwege verursachen. Deshalb fragen wir immer die zurückgelegte km-Anzahl bei den Standanmeldungen ab. Das ist uns wichtig. So können wir etwas zum Klimaschutz beitragen.

Econeers: Kannst du unseren Lesern die wichtigsten Gründe nennen, warum sie den HELDENMARKT unbedingt besuchen sollten?

Lovis Willenberg: Der HELDENMARKT liefert Inspirationen und Denkanstöße für ein nachhaltige(re)s Leben und als Besucher trifft man auf viele tolle Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen aus allen möglichen Lebensbereichen anbieten – nur halt umweltfreundlich und sozialverträglich produziert. Man sieht als Gast also ganz einfach, wie leicht es ist, nachhaltig und umweltbewusst zu konsumieren, ohne dabei auf irgendetwas verzichten zu müssen. Bei uns gibt’s kein wischiwaschi. Wir haben sehr strenge Zulassungskriterien, die darüber entscheiden, ob Aussteller am HELDENMARKT teilnehmen dürfen oder nicht. Jeder Aussteller wird bei seiner Anmeldung ganz genau auf seinen Nachhaltigkeitsansatz geprüft, ggf. fordern wir sogar Lieferscheine an, die uns Auskunft über die Inhaltsstoffe von Produkten geben. Das bedeutet, dass sich die Besucher darauf verlassen können, dass es bei uns zu 100 Prozent nachhaltig zugeht.
Neben dem Einkaufs- und Probiererlebnis kann man als HELDENMARKT-Gast am gesamten Rahmenprogramm teilnehmen. Es finden Vorträge zu Nachhaltigkeitsthemen statt, es gibt DIY- und Upcycling-Workshops, Bühnenprogramm, wie vegane Live-Kochshows (man lernt viel, kann sich vernetzen).

Econeers: Wo findet euer nächster HELDENMARKT statt und kannst du uns schon einige Highlight-Aussteller auf diesem verraten?

Lovis Willenberg: Der nächste HELDENMARKT findet am 17./18. März in München im MVG Museum statt. Dort werden dann so um die 100 Aussteller vertreten sein. Zu den Highlights gehört mit Sicherheit Haderner Bräu – Münchens erste Bio-Brauerei oder Happy Cheeze, die bio-veganen Käse auf Cashew-Basis herstellen. Es kommen aber auch ganz tolle Organisationen, wie Viva con Agua oder Foodsharing. Ich könnte da etliche aufzählen – am besten man überzeugt sich selbst oder stöbert im Vorfeld auf unserer Website in der Ausstellerliste.

Econeers: Und zu guter Letzt noch eine ganz persönliche Frage: Was gehört für dich zu einem nachhaltigen Lebensstil unbedingt dazu? Und welche kleine ökologische Sünde kannst du dir einfach nicht verkneifen?

Lovis Willenberg: Zu einem nachhaltigen Leben gehört für mich auf jeden Fall der Bezug von Ökostrom dazu. Das ist eins der einfachsten Dinge, die jeder tun kann, ohne einen monetären Mehraufwand zu haben und ist absolut notwendig, um sich für erneuerbare Energien einzusetzen. Außerdem kaufe ich nur im Bio-Laden ein und ernähre mich fast ausschließlich bio-vegan. Das ist gesund und schont unsere Umwelt. Ich kaufe nur faire Kleidung und trage sie so lange wie möglich. Ich denke aber, dass es das Wichtigste ist, sich bewusst zu machen, dass jede unserer Konsumentscheidungen Einfluss darauf hat, wie sich unser Planet weiterentwickelt.
Ich muss aber auch zugeben, dass ich ab und zu sündige oder meinen Kindern einen Wunsch erfülle, der nicht zu 100 Prozent nachhaltig korrekt ist. Das muss aber auch ok sein. Es geht nicht darum, immer alles richtig zu machen. Jeder noch so kleine Schritt ist ein Schritt in die richtige Richtung!

Econeers: Vielen Dank Lovis für deine Antworten. Wir wünschen dir und dem gesamten Team weiterhin viel Erfolg und hoffen natürlich, dass ihr noch viel mehr Menschen für eine bewusste Lebensweise begeistern könnt.

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