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Nachhaltig: So helfen junge Unternehmen, Kunststoffmüll zu reduzieren – Teil 2

Es war ein erschreckendes Bild, das sich Helfern vor kurzem am Strand der indonesischen Insel Wakatobi bot: Ein knapp zehn Meter langer, verendeter Pottwal war angespült worden – und aus seinem Bauch quoll kiloweise Plastikmüll. 115 Plastikbecher, 25 Plastiktüten, mehrere Plastikflaschen, Nylonsäcke, Flip-Flops sowie sage und schreibe mehr als 1.000 weitere Plastikteile unterschiedlicher Größe hatte das Tier aus dem Meer aufgenommen. Gerade in Ländern mit nicht hinreichend ausgebautem Recycling-System wird Plastikmüll häufig achtlos weggeworfen und gelangt in die Meere, wo er bis zu seiner Zersetzung jahrzehnte- bis jahrhundertelang treibt und das maritime Ökosystem schwer schädigt – oder aber zuvor von Meeresbewohnern wie dem Pottwal vor Indonesien aufgenommen wird. Doch nicht nur im Indischen Ozean oder im Pazifik, sondern auch hierzulande wird Plastik in den Meeren Tieren regelmäßig zum Verhängnis, etwa auf der Nordseeinsel Helgoland, einem bedeutenden Brutplatz für tausende Seevögel. Häufig bauen sie ihre Nester mittlerweile aus Plastikfäden statt aus Zweigen und Seetang. Im Gegensatz zu den Naturmaterialien ist Plastik jedoch deutlich reißfester. Die Konsequenz: Die Vögel verheddern sich im Netz, können sich jedoch nicht aus dem robusten Material befreien und verenden schließlich.

Der Großteil des Plastiks, das sich in der Natur findet, sind Einwegartikel wie Plastikgeschirr und Strohhalme oder aber Verpackungsmaterialien. Zwar hat das EU-Parlament kürzlich ein Verbot von Einwegplastik beschlossen, doch bis es in Kraft tritt, werden noch einige Jahre ins Land gehen – Zeit, die junge Unternehmen bereits nutzen, um mit innovativen Lösungen ökologische Alternativen zu Plastikprodukten zu finden. In Teil 1 unserer Serie haben wir bereits Startups vorgestellt, die mit ihren Ideen Einwegartikel wie Kaffeebecher oder Strohhalme ersetzen. Heute schauen wir uns im zweiten Teil bei Unternehmen um, die nachhaltige Verpackungen abseits von Plastik, Styropor & Co. entwickeln.

Ganz natürlich gut verpackt

Verpackungsmaterialien lassen sich leider häufig nicht so einfach vermeiden wie Einweg-Becher oder -Trinkhalme – etwa für bestimmte Lebensmittel oder bei Online-Bestellungen. Wenn Verzicht nicht möglich ist, gilt es, stattdessen nach alternativen Materialien Ausschau zu halten – am besten solchen, die natürlichen Ursprungs sind und sich wieder in den Kreislauf des Ökosystems zurückführen lassen. Dies ist dem Startup SUPERSEVEN, das dieses Jahr im Rahmen des Green Alley Awards von unserer Schwesterplattform Seedmatch mit dem Crowd Award ausgezeichnet wurde, gelungen. Das junge Unternehmen stellt Verpackungen aus Cellulose her. Der Clou: Sie haben die Eigenschaften von Plastikverpackungen wie z. B. Haltbarkeit oder beliebige Formbarkeit, werden jedoch aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und sind komplett kompostier- bzw. recycelbar. Die SUPERSEVEN-Verpackungen sind vor allem für den Einsatz in der Industrie auf Verpackungsmaschinen gedacht. Eine Reihe von Unternehmen hat bereits auf die ökologische Verpackungslösung umgestellt und nutzt sie für eine große Bandbreite an Produkten – von Elektro-Bauteilen bis hin zu Lebensmitteln.

Gerade Lebensmittel sind beim Transport sehr anfällig für Temperaturschwankungen, weswegen Online-Shops für Lebensmittellieferungen häufig auf Isoliermaterialien auf Kunststoffbasis setzen. Eine Alternative dazu bietet das mit dem Green Alley Award 2018 ausgezeichnete britische Startup AEROPOWDER. Die Idee des Gründerteams: Hühnerfedern, ein Abfallprodukt der Geflügelindustrie, sind sowohl leicht als auch widerstandsfähig und verfügen über hervorragende thermische Eigenschaften – warum also nicht diese zur Isolierung von Lebensmitteln verwenden? Dank des innovativen Ansatzes des Unternehmens wird einst nutzloser Müll zum gefragten Produkt und Lebensmittel-Lieferungen kommen nicht nur in optimalem Zustand, sondern auch deutlich umweltfreundlicher bei ihren Empfängern an.

Verpackungsfreies Einkaufen: Ressourcenschonender geht’s nicht

Doch trotz aller Produkt- und Verpackungsinnovationen gilt häufig: Die beste Lösung ist die Null-Lösung. Wo gar nicht erst verpackt werden muss, sind weder Rohstoffe noch Energieeinsatz für die Herstellung von Verpackungsmaterialien oder deren Recycling notwendig. Unverpacktes Einkaufen ermöglichen im Lebensmittelbereich etwa Wochenmärkte oder spezielle Unverpackt-Läden, in denen sich Kunden die Ware lose in mitgebrachte Behältnisse abfüllen lassen können. Doch auch in immer mehr Supermärkten könnte sich dieses Konzept mittelfristig durchsetzen – etwa durch Angebote von Startups wie MIWA. Der Unternehmensname ist eine Abkürzung für Minimum Waste (so wenig Abfall wie möglich), und genau das will das Startup Konsumenten ermöglichen. Die Idee: Händler erhalten ihre Produkte von den Produzenten in nachfüllbaren, smarten Containern, aus denen sich die Verbraucher vor Ort genau die benötigte Menge in mitgebrachte oder im Laden erhältliche, recyclebare Behälter abfüllen können. Die Container gelangen nach der professionellen Reinigung durch MIWA wieder zurück zum Produzenten, wo sie erneut befüllt werden. So wird verpackungsloses Einkaufen für Produzenten, Händler und Konsumenten deutlich einfacher und bequemer.

Es bleibt zu hoffen, dass die Ideen der Startups zur Reduktion von Kunststoffabfällen bald breiten Einsatz in der Wirtschaft und Anklang bei Verbrauchern finden und so ihren Beitrag dazu leisten, dass Ressourcen geschont werden und natürliche Ökosysteme sowie ihre Bewohner möglichst wenig Schaden nehmen.

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