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Neue Regularien und Einsatzstoffe: Biogas auf dem Vormarsch

Neben den im Bereich der grünen Energieerzeugung vielbeachteten Energiequellen Sonne, Wind und Wasser führt die Biomasse oftmals ein Schattendasein. Hinzu kommt, dass Biogasanlagen in der Vergangenheit aufgrund der “Tank vs. Teller-Problematik”, d. h. des hohen Flächenbedarfs für den Anbau von in Biogasanlagen verarbeiteten Pflanzen, keinen besonders guten Ruf genossen haben. Mittlerweile hat sich jedoch einiges getan: Anlagen und Technologien wurden so weiterentwickelt, dass es mittlerweile möglich ist, auch mit anderen Einsatzstoffen energieeffizient und umweltschonend Biogas zu erzeugen. Zudem braucht es Kraftanstrengungen im großen Stil, um die Energiewende weiter voranzutreiben und den CO2-Ausstoß bei der Energieerzeugung kontinuierlich zu verringern. Neben Sonne, Wind und Wasser gewinnt daher auch Biogas an Bedeutung für den Regelenergiemarkt. Welche Entwicklungen es konkret gab und wie sich diese auf die Stellung von Biogasanlagen im Energie-Mix auswirken, betrachten wir in diesem Beitrag.

Neue Regularien und Anreize machen Biogas zum Teil des Regelenergiemarkts

Mit der am 1. September 2017 beendeten ersten Ausschreibungsrunde für Biogasanlagen wurde die Förderpolitik für einen wichtigen Baustein der Dekarbonisierungs-Strategie des deutschen Energiesystems neu ausgerichtet. Im Rahmen der neuen Ausschreibungsrunde, welche zukünftig einmal jährlich stattfindet, werden nun nur noch Anlagen bezuschusst, die den Anforderungen an die Flexibilisierung der Anlagenleistung genügen und einen vorgeschrieben Rohstoffeinsatz nachweisen können. Im Unterschied zu den Ausschreibungen für Windkraft und Solarstrom können an den Ausschreibungen für Biogasanlagen auch bereits stromproduzierende Anlagen teilnehmen.

Unabdingbar ist aber, dass diese Biogasanlagen künftig mehr Kapazität zur Stromproduktion vorhalten müssen, als bei einem konstanten Betrieb notwendig wäre. Die Notwendigkeit eines solchen “Grundlast-Betriebs” besteht, da Biogasanlagen zukünftig bedarfsgerechter eingesetzt werden sollen. Das bedeutet, dass dieselbe Menge an Biogas nicht mehr kontinuierlich rund um die Uhr verstromt wird, sondern dank der größeren Kapazität der Anlagen insbesondere in Zeiten hoher Nachfrage. Damit stehen die Anlagen zunehmend dem Regelenergiemarkt zur Verfügung. Um den dafür notwendigen Anforderungen gerecht zu werden, ist ein schnelles Hoch- und Herunterfahren in Abhängigkeit von der Stromnachfrage im Netz stärker gefragt als je zuvor. Den Anreiz für die dafür notwendigen zusätzlichen Investitionen, beispielsweise in ein Blockheizkraftwerk, setzt ein Investitionszuschuss, die sogenannte “Flexibilitätsprämie”.

Viele bestehende Biogasanlagenbetreiber haben sich bereits auf die neuen Regelungen sowie die aktuellen Anreize am Strommarkt eingestellt. Das zeigt der hohe Anteil von 85 Prozent der installierten Biomasse-Anlagenleistung, für den bereits gemeinsam mit einem Vermarktungspartner Direktvermarktung betrieben wird.

Alternative Einsatzstoffe entkräften bisherige Gegenargumente

Bei den meisten Biogasanlagen kommt leider nach wie vor hauptsächlich Maissilage als Einsatzstoff für die Energieerzeugung zum Einsatz, weshalb die Anlagen häufig in der Kritik stehen. Um die Ursachen für den ursprünglichen Fokus auf Getreide als Einsatzstoff zu verstehen, hilft uns ein kurzer Blick in die Vergangenheit: Der Boom der Biogasanlagen begann im Jahr 2004. Grund dafür war die Förderung der Anlagen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Gerade in den ersten Jahren bis 2014 wurden auch noch NaWaRo-Anlagen (Nachwachsende Rohstoffe), d. h. Anlagen, welche mit einem hohen Maisanteil arbeiten, bezuschusst. In den Folgejahren hat der Bund aufgrund der anhaltenden Kritik von dieser Förderung jedoch Abstand genommen.

Die Kritiker sehen beim Betrieb klassischer Biogasanlagen drei Probleme:

  1. Die entstehende Maismonokultur. Hierdurch veröden Landschaften und Böden werden ausgelaugt, da Mais einen sehr hohen Nährstoff- und Energiebedarf hat. Nicht umsonst sagt man ihm nach, die effizienteste Pflanze für die Erzeugung von Biogas zu sein. Dies liegt schlichtweg an seinem hohen Energiegehalt, welcher während des Wachstums aus den Böden aufgenommen wird.
  2. Große Ackerflächen werden für den Maisanbau benötigt. Durch den hohen Flächenbedarf und das Engagement von Großinvestoren, welche bereit sind, höhere Summen für Flächen zu zahlen, kommt es zu einer Verknappung landwirtschaftlicher Flächen für die Nahrungsmittelerzeugung bzw. für die Erzeugung von Nahrung für die tierhaltenden Betriebe. Durch diese Verknappung werden Ackerflächen immer teurer und viele Landwirte können sich diese nur noch schwer leisten.
  3. Die Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Flächen, die für den Anbau von Energiepflanzen verwendet werden, fallen für den Anbau von Nahrungsmitteln weg. Verstärkt wurde diese Problematik dadurch, dass die Förderung des Bundes für Energie aus Biogasanlagen bis vor kurzem teilweise höher war als die Einnahmen des Landwirts für seine produzierten Nahrungs- bzw. Futtermittel. Damit stellte sich für viele Bauern die Frage, ob sie nicht besser auf das “wirtschaftlichere” Pferd setzen sollten.

Inzwischen gibt es aber bereits zahlreiche Anlagen, welche ausschließlich aus Gülle, Mist oder anderen biologischen Abfällen, wie zum Beispiel dem Biomüll aus der braunen Tonne, Bioenergie erzeugen. Neben dem Verzicht auf die Zugabe von Mais haben diese Alternativanlagen den Vorteil, dass der verarbeitete Müll nicht aufwändig – womöglich unter Energieeinsatz – entsorgt werden muss, sondern direkt in Energie umgewandelt werden kann. Darüber hinaus erspart es lange Transportwege, da die biogaserzeugenden Landwirte die Gülle meist direkt vor Ort haben. Zu wünschen bleibt, dass diese Entwicklung anhält und zahlreiche weitere alternative Einsatzstoffe für moderne Biogasanlagen erprobt werden.

Fazit

Neben den Nachteilen, die eine Biogasanlage hinsichtlich der Bodenbeschaffenheit, der entstehenden Monokulturen und auch der langen Transportwege sowie steigenden Pachtpreise mit sich bringt, existieren auch zahlreiche positive Aspekte, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen. So punkten Biogasanlagen im Vergleich zu anderen regenerativen Energieerzeugungsanlagen etwa ganz klar damit, dass sie witterungsunabhängig und damit eine wichtige Stütze für ein konstantes, regeneratives Stromnetz sind. Zudem stellen sie eine sichere Einnahmequelle für viele Landwirte dar.

Der wirksame und nachhaltige Betrieb von Biogasanlagen bringt uns daher einem dekarbonisierten Energiesystem wieder ein Stückchen näher. Die Erneuerbare-Energien-Branche sollte sich nun darauf konzentrieren, Biogasanlagen mit einem möglichst hohen Wirkungsgrad, einem hohen Einsatz von Abfallstoffen und einer geringen Verwendung von Energiepflanzen zu entwickeln. Nur dann erfüllen die Biogasanlagen die Anforderungen an eine vollumfängliche nachhaltige Energieerzeugung und arbeiten sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll.

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