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Sonneninvest startet zweites Funding: Im Gespräch mit CEO Michael Richter

Michael Richter von Sonneninvest

Im Sommer 2014 hat die Sonneninvest AG über Econeers 322 neue Investoren für den Solarpark Langenbogen gefunden und rund 440.000 Euro eingesammelt. Damit haben die Projektbetreiber, die Sonneninvest AG aus Wien, das bisher erfolgreichste Crowdfunding für einen deutschen Solarpark auf die Beine gestellt. Daran möchte Sonneninvest nun anknüpfen. Am Dienstag, dem 19. Mai, startet das zweite Crowdfunding von Sonneninvest bei Econeers – Diesmal soll nicht nur eine Anlage, sondern gleich drei Solarkraftwerke über die Crowd finanziert werden. Vor dem Start des zweiten Fundings haben wir mit Sonneninvest-Geschäftsführer Michael Richter gesprochen.

Econeers: Hallo Herr Richter, wir freuen uns, Sonneninvest zum zweiten Mal auf der Plattform begrüßen zu können. Warum haben Sie sich erneut für ein Crowdfunding entschieden?

Michael Richter: Unsere Erwartungen beim ersten Mal wurden wirklich weit übertroffen. Wir hatten damals absolut nicht damit gerechnet, so viel positives Feedback für unser Projekt von der Crowd zu erhalten. Auch Medien sind auf das Funding aufmerksam geworden und haben darüber berichtet. All das war für uns eine neue und großartige Erfahrung und hat uns nun zu einer zweiten Crowdfunding-Runde veranlasst. Im Vordergrund steht für uns nach wie vor, die Energiewende in Deutschland mit Unterstützung unserer Investoren weiter voranzutreiben. Bankfinanzierungen sind theoretisch momentan zwar sehr günstig, in der Praxis jedoch immer noch langwierig und unflexibel. Crowdfunding hingegen ist zeitgemäß und unkompliziert. Deshalb bin ich überzeugt, dass diese Finanzierungsform in Zukunft eine immer größere Rolle für Energieprojekte spielen wird.

Michael Richter bei einer Begehung der Dach-Solaranlage in Sangerhausen.

Michael Richter bei einer Begehung der Dach-Solaranlage in Sangerhausen.

Econeers: Wie hat sich der Solarpark Langenbogen entwickelt, seitdem die Econeers-Investoren an Bord sind? 

Michael Richter: Unser Solarpark, den wir letztes Jahr erfolgreich über die Econeers-Crowd finanzieren konnten, hat sich im aktuellen Geschäftsjahr erwartungsgemäß sehr positiv entwickelt. Die Stromerträge der Anlage, also die produzierten Kilowattstunden und die wirtschaftlichen Einnahmen aus dem Stromverkauf, liegen über den Prognosen. Es gab und gibt keinerlei technische Probleme. Wenn das sonnige Wetter anhält, können sich die Crowd-Investoren über den maximalen Bonuszins und damit über eine Rendite von 5 Prozent, bzw. sogar 6,5 Prozent für Early-Bird-Investoren, freuen. Die Auszahlung der Zinsen erfolgt plangemäß am 15. August.

Econeers: Beim ihrem zweiten Crowdfunding investiert die Crowd nicht mehr nur in einen einzelnen Solarpark, sondern in drei Kraftwerke. Um welche handelt es sich dabei und was bedeutet dies für die Investoren?

Michael Richter: Richtig, beim bevorstehenden Funding bieten wir den Econeers-Investoren die Möglichkeit in ein Portfolio bestehend aus dem Solarpark Meerane bei Chemnitz und zwei weiteren Photovoltaikkraftwerken auf Industriedächern in Kornwestheim und Sangerhausen zu investieren. Somit verteilt sich das Investmentrisiko auf mehrerer Solarkraftwerke. Wenn bei einem die Erträge in einem Jahr niedriger liegen, kann dies von den anderen Anlagen wieder ausgeglichen werden. Alle Kraftwerke sind bereits am Netz und werden gemäß dem EEG (Erneuerbaren Energien Gesetz) mit gesetzlich festgesetzten Tarifen vergütet. Die Einnahmen aus dem Stromverkauf liegen bei über 740.000 Euro jährlich. Wir sind bei allen drei Anlagen seit Jahren investiert und konnten bisher regelmäßig überdurchschnittliche Erträge verzeichnen.

Econeers: Welchen Beitrag können die Anlagen konkret zum Klimaschutz leisten?

Michael Richter: Die drei Solarkraftwerke produzieren jährlich ca. 1,65 Millionen kWh Strom aus der Kraft der Sonne. Diese Strommenge entspricht in etwa dem jährlichen Verbrauch von fast 500 durchschnittlichen Haushalten. Die CO2- Einsparung liegt bei ca. 950 Tonnen pro Jahr. Innerhalb der maximalen Laufzeit von neun Jahren wird die enorme Menge von 8.550 Tonnen CO2 eingespart.

Econeers: Wie sieht Ihr Investmentangebot an die Econeers-Investoren aus? 

Michael Richter: Das bewährte Vergütungssystem aus dem ersten Funding haben wir beibehalten: 4,5 Prozent Grundverzinsung – auch in schlechten Sonnenjahren. Produzieren die Anlagen mehr Strom, steigt auch die Rendite der Crowd, im besten Fall auf 5 Prozent. Zusätzlich bieten wir den Schnellentschlossenen einen „Early-Investors-Bonus“ von zusätzlichen 1,5 Prozent im ersten Jahr. Somit erhöht sich der Zinssatz einmalig auf mindestens 6, im bestmöglichen Fall sogar auf 6,5 Prozent. Die Investmentlaufzeit beträgt neun Jahre. Investoren können aber auf Wunsch bereits nach 5 Jahren kündigen und dann wieder frei über Ihr Kapital verfügen.

Econeers: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Argumente, in das Projekt zu investieren?

Michael Richter: Es gibt sehr viele gute Argumente, für ein Investment. Die Tatsache, dass in ein bereits profitables Unternehmen investiert wird, dessen Erträge über die gesamte Laufzeit gesetzlich abgesichert sind, ist wahrscheinlich ein sehr Deutliches. Ein umfangreiches Versicherungspaket, höchste Sicherheitsstandards und die hohe Qualität aller eingesetzten technischen Komponenten zählen zu den weiteren Hauptargumenten, die für ein Investment sprechen. Alle Solarparks befinden sich bereits seit mehreren Jahren am Netz, d.h. Bau- und Genehmigungsrisiken sind ausgeschlossen. Eventuelle Ausfälle werden von den anderen beiden Kraftwerken ausgeglichen oder sind durch Versicherungen abgedeckt. Sehr wichtig bei der Investmententscheidung ist aber natürlich auch, dass die Solarkraftwerke mehrere tausend Tonnen CO2 einsparen und so einen echten Beitrag zur Energiewende leisten.

Econeers: Mit dem 2014 novellierten EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) werden Solarprojekte in Zukunft nach dem Ausschreibungsverfahren vergeben. Wie beurteilen Sie die Auswirkungen dieses Verfahrens?

Michael Richter: Neue große Photovoltaikkraftwerke sind in Deutschland kaum noch realisierbar. Einmal mehr hat die Politik die Verantwortung für das Gelingen der Energiewende auf die privaten Investoren übertragen. Es liegt nun an jedem einzelnen, die Energiewende weiter voranzutreiben. Von der Energiewirtschaft oder der Politik ist meiner Einschätzung nach kaum Unterstützung zu erwarten. Im Gegenteil: Die Rückstellungen der Atomkonzerne werden sich als nicht werthaltig herausstellen. Der Atomausstieg sollte umgehend erfolgen, jede weitere Verzögerung wird den Steuerzahler viel Geld kosten. Gleiches gilt natürlich für den Kohleausstieg. Trotz derzeitigen Gegenwinds für die Energiewende in Deutschland, darf man nicht außer Acht lassen, dass Photovoltaik weltweit boomt und 2015 mit erwartenden 57 GW Leistung das bisher erfolgreichste Jahr der Sonnenenergie werden wird.

Auch auf seinem Wohnhaus in der Nähe von Wien betreibt Michael Richter eine Photovoltaik-Anlage.

Auch auf seinem Wohnhaus in der Nähe von Wien betreibt Michael Richter eine Photovoltaik-Anlage.

Econeers: Welche Ziele haben Sie sich für die zweite Crowdfunding-Runde gesetzt?

Michael Richter: Wir wollen wieder möglichst viele Menschen motivieren, als Investoren, Teil der Energiewende zu werden und ein starkes Zeichen für erneuerbare Energien zu setzen. Nicht jeder in Deutschland hat die Möglichkeit, im Rahmen einer eigenen Solaranlage auf seinem Hausdach Photovoltaik zu nutzen. Genau diese Personen wollen wir ansprechen und für unser Projekt gewinnen. Ich freue mich persönlich über jeden einzelnen Investor und bin optimistisch, das Ergebnis vom letzten Crowdfunding übertreffen zu können. Beim zweiten Crowdfunding wollen wir noch intensiver mit der Crowd interagieren und können den Start am Dienstag kaum noch erwarten.

Econeers: Sie betonen immer, dass es Ihnen wichtig ist, möglich viele Unterstützer für die Energiewende zu gewinnen. Wie sieht es mit Ihrer persönlichen Energiewende aus?

Michael Richter: Mit meiner eigenen Energiewende bin ich schon relativ weit vorangekommen. Ich lebe mit meiner Frau und meinen beiden Kindern in einem Haus ein paar Kilometer von Wien entfernt. Unsere 9kWp-Dachanlage produziert theoretisch mehr Strom als wir benötigen. Warmwasser und Heizung unseres Niedrigenergiehauses beziehen wir mittels einer Wärmepumpe ausschließlich durch die Photovoltaik-Anlage. Zu unserem vollständigen Glück fehlt uns nur noch ein preiswerter Stromspeicher, den wir aber in den nächsten Jahren anschaffen wollen. In unserem Haushalt gibt es zwei Elektrofahrräder, aber bisher leider noch kein Elektroauto. Das soll sich aber auch bald ändern.

Econeers: Vielen Dank , dass Sie sich die Zeit für unsere Fragen genommen haben, Herr Richter. Wir wünschen wieder viel Erfolg beim Crowdfunding!

 

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Sonneninvest AG-Geschäftsführer Michael Richter betreibt nicht nur drei Solaranlagen in Deutschland, in die ihr ab…

Posted by Econeers on Freitag, 15. Mai 2015

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