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Strom-Direktvermarktung an Verbraucher: So funktioniert’s

Beim Lebensmitteleinkauf ist es schon länger gang und gäbe: Verbraucher, denen qualitativ hochwertige und ökologisch erzeugte Produkte am Herzen liegen, wollen immer häufiger wissen, wo, von wem und unter welchen Bedingungen diese angebaut oder hergestellt werden. Der Einkauf in Hofläden und auf Bauernmärkten oder die Bestellung von Lebensmitteln, die man im Rahmen einer Food Assembly direkt beim Erzeuger abholt, werden immer beliebter. Sie ermöglichen eine direkte Erzeuger-Verbraucher-Beziehung und geben den Personen hinter den Produkten ein Gesicht. So entstehen Vertrauen, Akzeptanz und Wissen um die Interessen und Herausforderungen, mit denen sich die jeweils andere Seite konfrontiert sieht. Wäre es nicht wunderbar, wenn sich dieses Prinzip auch auf den Strombezug übertragen ließe? Wenn Strom nicht einfach nur anonym aus der Steckdose käme, vermittelt von großen Konzernen und wenig transparenten Zwischenhändlern? Wenn jeder von uns seinen Windmüller persönlich kennen würde oder wüsste, wo die Sonnenernte für den eigenen Strombedarf eingefahren wird? Das geht bereits heute: Über die Direktvermarktung von Strom durch die Erzeuger an den Endkunden – vermittelt über den Online-Marktplatz enyway. Wir haben uns das neue Konzept der Stromvermarktung und -beschaffung angesehen und erklären in diesem Beitrag, was Anlagenbetreiber und Verbraucher wissen sollten, wenn sie sich für dieses Modell entscheiden.

Direktvermarktung macht Anlagen wettbewerbsfähig

Grundlage für die Direktvermarktung von Strom aus regenerativen Energien ist eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aus dem Jahr 2014. Diese legte fest, dass neu errichtete Anlagen zur Erzeugung von Ökostrom ab einer bestimmten Anschlussleistung nicht mehr wie zuvor eine pauschale staatliche Einspeisevergütung erhalten. Stattdessen ist für sie die Direktvermarktung nach dem Marktprämienmodell – entweder an der Strombörse oder direkt an Großabnehmer – Pflicht. Durch diese Orientierung am Markt lassen sich für die Anlagenbetreiber zum Teil höhere Vergütungen erzielen als durch die starre Einspeisevergütung, zudem endete damit die Förderung der Anlagen “mit der Gießkanne”. Sie müssen sich seitdem als Marktteilnehmer im Wettbewerb behaupten. Dadurch, dass nur noch Bestands- sowie sehr kleine Anlagen die Möglichkeit der staatlichen Förderung haben, wird die Direktvermarktung durch den Anlagenbetreiber nach und nach zum Normalfall. Neu ist nun, dass der Online-Marktplatz enyway dies für die Erzeuger so vereinfacht, dass auch die Direktvermarktung kleiner Mengen an Endverbraucher erstmals leistbar und attraktiv wird.

Erzeuger werden zu Stromversorgern und haben neue Pflichten

Die Besonderheit für Erzeuger ist, dass sie durch die Direktvermarktung an Privat- und Gewerbekunden selbst vom reinen Anlagenbetreiber zum Stromversorger werden. Damit geht normalerweise eine Vielzahl an neuen Pflichten einher, z. B. das Bilanzkreismanagement, die Rechnungsstellung inklusive Stromkennzeichnung, der Verkauf von Produktionsüberschüssen sowie der Zukauf von Fehlmengen. Denn die Stromversorgung für den Endkunden muss auch gewährleistet sein, wenn die eigene Anlage einmal keinen Strom produziert, etwa wenn der Wind nicht weht, die Sonne nachts nicht scheint oder die Anlage repariert werden muss.

Damit der administrative und buchhalterische Aufwand gerade für kleinere Anlagenbetreiber nicht überhandnimmt, bietet sich die Vermarktung über den Online-Marktplatz enyway an, der sich als Dienstleister des Anlagenbetreibers gegen eine Gebühr um Verträge, Rechnungen sowie die zentrale Zusatzenergiebeschaffung aus Ökostrom kümmert. Den eigenen Energiepreis legt der Stromerzeuger selbst fest und sorgt damit dafür, dass dieser immer oberhalb des durchschnittlichen Jahres-Marktwerts liegt. Durch die bei der geförderten Direktvermarktung im Vergleich zur klassischen Einspeisevergütung höhere Marktprämie bleibt auch nach Bezahlung des Dienstleisters in der Regel mehr übrig als früher bei der pauschalen Einspeisevergütung. Neben dem finanziellen Anreiz erhalten Anlagenbetreiber noch etwas Wichtiges: Engagierte Stromkunden, für die der Strompreis nicht das einzige Kriterium bei der Wahl ihres Stromanbieters ist und die die Energiewende – gerne durch Unterstützung von Erzeugern aus der Region – mit voranbringen wollen.

Strom kommt nicht mehr anonym aus der Steckdose, sondern vom Erzeuger der Wahl

Damit ist auch der wesentliche Vorteil der Direktvermarktung für Verbraucher bereits deutlich geworden: Strom kommt nicht mehr einfach anonym ins Haus, sondern erhält ein “Gesicht”. Der neue Vertriebsweg ermöglicht es Endkunden, eine Vielzahl an Kriterien abseits des Preises in ihre Entscheidung für einen Anbieter einfließen zu lassen. Dadurch finden sie den individuell zu ihnen und ihren Vorlieben passenden Energieversorger und können ihn direkt unterstützen – denn der maximal mögliche Anteil der eigenen Stromrechnung kommt dort an, wo man es sich wünscht. So entstehen Vertrauen und Transparenz zwischen beiden Vertragsparteien.

Natürlich kommt – von der regionalen Direktvermarktung in unmittelbarer räumlicher Nähe einmal abgesehen – nach den Gesetzen der Physik nicht tatsächlich der Strom der gewählten PV-, Wind-, oder Wasserkraftanlage des Erzeugers ins Haus, sondern wird nach wie vor an der nächstgelegenen Entnahmestelle verbraucht. Die Entscheidung für einen bestimmten Stromerzeuger sorgt jedoch dafür, dass der vom Endkunden genutzte Strom vom gewählten Anbieter in den Stromsee “nachgefüllt” wird, d. h. der eigene Stromverbrauch garantiert die Stromabnahme beim Stromerzeuger. Und gleichzeitig sorgt die Direktvermarktung auch noch für ein gutes Gefühl – Umweltschutz und regionale Wirtschaftsförderung auf der Mikro-Ebene zugleich!

Von der Direktvermarktung des Stroms aus regenerativen Energiequellen an Endverbraucher profitieren also beide Seiten. Es bleibt zu wünschen, dass sich diese Art der Vermarktung weiter etabliert und dass bald noch mehr Verbraucher unkompliziert Strom vom Erzeuger ihres Vertrauens erwerben können. Damit wissen sie genau, woher ihre Energie kommt – ganz genau so, wie es für viele von uns heute schon beim Kauf von Lebensmitteln selbstverständlich geworden ist.

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