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Verloren im Ökostrom-Dschungel? Ein Startup sorgt für Orientierung

Auf der Suche nach einem passenden Stromtarif haben es Verbraucher in Deutschland nicht einfach. Zwischen fast 1.200 Ökostromanbietern fällt die Auswahl nicht leicht. Doch vor allem, wenn es darum geht, einen nachhaltigen Versorger zu finden, der preiswert ist und zudem einen Beitrag für die Energiewende in Deutschland leistet, war man bislang auf sich alleine gestellt. Das in Hamburg gegründete Startup Revolution Energy möchte dieses Verbraucherproblem lösen und hat dazu ein Vergleichs- und Empfehlungsportal ins Leben gerufen, bei dem nur „echte“ Ökostromanbieter gelistet sind. Wir haben den Gründer Thomas Cusack gebeten, uns die Plattform vorzustellen.

Econeers: Hallo Herr Cusack, die meisten Menschen denken, wenn sie einen Ökostromtarif abschließen, fördern sie damit auch automatisch die Energiewende. Stimmt das?

Thomas Cusack: Berge von häufig widersprüchlicher Werbung, irreführende Zertifikate und vermeintlich günstige Angebote machen es den meisten Verbrauchern quasi unmöglich, eine qualifizierte Entscheidung beim Thema Stromanbieterwechsel zu treffen. Die politischen Rahmenbedingungen sind zwar gut gemeint, aber dennoch zunehmend fehlgeleitet. Das politisch erschaffene Schlupfloch für Energiehändler, die mit zugekauften Zertifikaten ihre Stromtarife grün waschen, verzerrt den Markt enorm. Dadurch entsteht für den Verbraucher eine Art „Scheintransparenz“. Die Kunden denken, sie beziehen Ökostrom mit dem der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland gefördert wird, jedoch belegen die Anbieter mit diesen Herkunftsnachweisen lediglich, dass irgendwo, z.B. in Norwegen oder den Alpenländern, die entsprechende Menge Ökostrom produziert wurde. Die Herkunftsnachweise sagen also nichts über den physischen Ursprung des eingekauften Stroms aus, sondern ermöglichen den Anbietern lediglich, Graustrom in dieser Menge als Ökostrom zu vermarkten. Felix Schäfer, Vorstand des genossenschaftlichen Stromanbieters Bürgerwerke, bezeichnet dies sogar als ein „stückweit Verbrauchertäuschung, was hier passiert.“

Econeers: Was ist das Wichtigste bei der Wahl eines Stromtarifs?

Thomas Cusack: Unter den ca. 4.000 Ökostrom-Tarifen, die es auf dem deutschen Markt gibt, sind nur wenige, die einen nennenswerten Mehrwert für Umwelt und Gesellschaft bieten und zudem noch preiswert sind. Es existieren eine Reihe von Möglichkeiten, die es Energieversorgern erlauben, auf einfachste Art und Weise ein Ökostrom-Produkt anzubieten. Es gibt Ökostromtarife, bei denen der Strom in eigenen Erzeugungsanlagen der Energieversorger und über Direktbezugsverträge mit z.B. Solar-, Wind- oder Wasserkraftwerken gewonnen wird. Einige Tarife sind darüber hinaus an Verpflichtungen gekoppelt, die u. a. den Bau von neuen Solar- oder Windkraftanlagen fördern. Entscheidend ist aber, was der Energieversorger insgesamt macht, um die erneuerbaren Energien voranzubringen.

Econeers: Was unterscheidet das Konzept von Revolution Energy grundsätzlich von anderen Vergleichsseiten?

Thomas Cusack: Wir starten mit der ganz persönlichen Empfehlung des passenden Energieversorgers, auf Basis der für den Verbraucher relevanten Kriterien. Dies kann zum Beispiel der Wunsch nach Regionalität sein, unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitskriterien von Plant-for-the-Planet (einsehbar auf unserer Website). In Zukunft führen wir die Märkte Wärme und E-Mobilität zusätzlich zum Strom zusammen. Über eine einfache Auswahl bekommt der Kunde die für seine Lebenssituation passenden Angebote. Um ihm die Entscheidung so einfach wie möglich zu machen, ist die Aufgabe von Revolution Energy, die Vernetzung und Verbindung einzelner Marktakteure zu sichern und passende Angebote zusammen zu stellen. Mit diesem Ansatz unterscheiden wir uns deutlich von reinen Preisvergleichsportalen.

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Thomas Cusack, Geschäftsführer von Revolution Energy

Econeers: Wie kam es zu der Idee und was hat Sie und Ihr Team dazu motiviert, Revolution Energy zu gründen?

Thomas Cusack: In der Vergangenheit wurde im Bereich der erneuerbaren Energien viel erreicht. Deutschlands Geschenk an die Welt, die Idee erneuerbare Energien durch die EEG-Umlage bis zum Erreichen der Marktreife staatlich zu subventionieren, sorgte bis vor ein paar Jahren dafür, dass die Kosten für Technologien immens gefallen sind. Heute ist vor allem die Nachfrage im Ausland entscheidend. Skaleneffekte in der Herstellung sorgen weiterhin für einen anhaltend hohen Kostenverfall bei Solarpanelen, Energiespeicherung und E-Mobilität. Man kann tatsächlich von einer Zeitenwende sprechen, in der die Menschen bei einem Umstieg auf erneuerbare Energie schon jetzt finanziell profitieren. Denn laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) sind die Tarife der Ökostromversorger Deutschlands auf unserer Plattform günstiger als der Durchschnitt. Das bedeutet: Grüner Strom ist häufig sogar günstiger als konventioneller Strom.

Econeers: Dennoch herrscht im Energiemarkt Stagnation und die Umweltbelastung steigt auf Rekordwerte. Warum?

Thomas Cusack: Grund dafür ist die bereits skizzierte Situation auf dem Strommarkt. Der Schlüssel zur Rundumerneuerung des Energiemarktes ist nach der Erfolgszeit des EEG nun der Mensch selbst. Der Staat, der bisher die erneuerbaren Energien gefördert hat, macht einfach schlapp. Letztes Jahr sind die Investitionen in erneuerbare Energien in Deutschland um 47 Prozent zurückgegangen und der CO2-Ausstoß sogar gestiegen. Global gesehen ist der CO2-Ausstoß in den letzten 25 Jahren sogar um 60 Prozent gestiegen. Das ist auch der Zeitraum, seitdem die Politik versucht, den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Ganz klar: Der Verbraucher bestimmt durch seine Konsumentscheidung letztlich, wohin die Reise bei der Energieerzeugung und für die Lebensqualität der nächsten Generationen geht. Dafür haben wir Revolution Energy gegründet, denn wir wollen nicht nur reden, sondern Lösungen umsetzen.

Econeers: Neben den bekannten Ökostromanbietern Greenpeace Energy, Lichtblick und Polarstrom arbeitet Revolution Energy auch mit der Energiegenossenschaft Bürgerwerke und dem Solarstromversorger DZ-4 zusammen, der 2014 erfolgreich auf Econeers finanziert wurde. Welche Bedingungen müssen die Anbieter erfüllen, damit sie bei Revolution Energy gelistet werden?

Thomas Cusack: Eine strenge Vorauswahl der Energieversorger mittels unserer Kriterien garantiert dem Kunden Sicherheit bei der Auswahl. Diese Kriterien wurden z. B. auf Grundlage der Arbeit von Branchenexperten entwickelt, sowie von Prof. Dr. Eicke Weber, Direktor Fraunhofer ISE oder Prof. Dr. Jochem Marotzke, Direktor Max Planck Institut für Meteorologie und unserem Partner Plant-for-the-Planet, die mit ihren Kinder-Klimabotschaftern bereits über 14 Mrd. Bäume weltweit gepflanzt haben. Hierbei spielten ganz unterschiedliche Aspekte eine Rolle, eine tragende war dabei die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen, deren Strategie und deren Produktportfolio. Unsere Auswahlkriterien werden laufend weiterentwickelt und sollen den neuen Standard im Energiemarkt bilden.

Econeers: Abgesehen von Ökostrom – haben Sie einen persönlichen Tipp, wie jeder Einzelne etwas für die Energiewende und den Umweltschutz tun kann?

Thomas Cusack: Es gibt ein paar sehr schöne, alltägliche Dinge, die ich mit gutem Gewissen empfehlen kann. Radfahren gehört definitiv dazu, oder frische und regional erzeugte Lebensmittel auf dem Wochenmarkt einzukaufen. Außerdem ist CarSharing mit Elektroautos eine klasse Alternative, ebenso wie Bahnfahren. Und natürlich möglichst vielen Freunden und Bekannten von der Revolution Energy erzählen.

Econeers: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unsere Fragen genommen haben, Herr Cusack. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg! 

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