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Warum nur wenige Ökostromtarife die Energiewende wirklich vorantreiben

Strom aus Windkraft

Ökostrom ist in den letzten Jahren zum Trend geworden. Mehr als 700 Anbieter gibt es auf dem deutschen Markt. Bereits über 5 Millionen Haushalte in Deutschland beziehen ihren Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Viele davon haben sich nach dem Reaktorunfall in Japan 2011 bewusst dafür entschieden, ein paar Cent mehr pro Kilowattstunde zu bezahlen. Damit wollten sie ihre private Energiewende vollziehen und Kohle- und Atomkraft aus ihren Steckdosen verbannen – strategischer Konsum mit politischem Hintergedanken also. Ganz nach dem Motto: Wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet, ist der Umstieg auf erneuerbare Energien machbar.

Ökostromkunden wollen die Energiewende fördern

Allgemein gilt: Wer Ökostrom wählt, der möchte die Energiewende aktiv voran­treiben und einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Das zeigt auch eine im November 2013 vorgestellte Studie des Hamburger Ökostromanbieters Grünstromwerk und des Nachhaltigkeitsportals Utopia. Knapp zwei Drittel der im Rahmen der Studie befragten Verbraucher sind davon überzeugt, die Energiewende durch den Bezug von Ökostrom „in besonderem Maße zu fördern“. Über drei Viertel glauben daran, mit ihrer Entscheidung, den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland zu unterstützen. Und ein Drittel geht sogar konkret davon aus, dass der gesamte Ökostrom in Deutschland erzeugt wird.

Treibt Ökostrom wirklich die Energiewende an?

Schaut man bei der Zusammensetzung des angebotenen Grünstroms genauer hin, stellt sich schnell die Frage, wie groß dessen Nutzen für die Energiewende in Deutschland tatsächlich ist. Zwar liefern die meisten Ökostromanbieter zu 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien, in der Regel stammen aber nur weniger als ein Drittel davon aus EEG-geförderten Anlagen und kommt somit direkt der deutschen Energiewende zugute. Die restlichen 70 Prozent werden größtenteils aus Wasserkraftwerken in Skandinavien und Österreich zugekauft. Nun werden vielleicht viele von Ihnen denken: Egal – Hauptsache grüner Strom. Für unser weltweites Klima spielt es ja keine Rolle, wo dieser herkommt. Das ist richtig – aber die Energiewende in Deutschland bringt Ökostrom so leider nur langsam voran. Prinzipiell ist der direkte Beitrag aller Stromverbraucher hierzulande, egal ob Öko- oder konventioneller Strom, zur Finanzierung der Energiewende der gleiche, nämlich derzeit 5,277 Cent pro Kilowattstunde – die EEG-Umlage.

100 Prozent Ökostrom made in Germany bleibt eine Utopie

Dass die Anbieter Ökostrom aus dem europäische Ausland importieren, ist nicht etwa eine rein betriebswirtschaftliche Entscheidung, sondern vor allem den politischen Strukturen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes geschuldet. EEG-geförderter Strom ist auf dem Strommarkt nicht handelbar, da er bereits zu einem garantierten Festpreis vergütet wird, der deutlich über dem Börsenpreis liegt. Der gesamte EEG-Strom geht dann im Strommix auf und wird damit zu „Graustrom“, einer Mischung aus konventionellem und grünem Strom. Für Stromanbieter besteht somit im Moment gar keine Möglichkeit, ihren Kunden 100 Prozent Ökostrom aus deutscher Produktion anzubieten, weil die meisten Anlagen ihren Strom EEG-gefördert ins Netz einspeisen. Importe aus Ländern mit großen Kapazitäten an grünem Strom wie Norwegen, der Schweiz und Österreich sind deshalb für deutsche Ökostromanbieter unverzichtbar.

Ökostromanbieter schaffen kaum Transparenz

Auch wenn Ökostromanbieter ihren Strom derzeit aus dem Ausland zukaufen müssen, tun viele von ihnen auch wenig dafür, ihre Kunden über die Herkunft des Stroms aufzuklären. Denn die Unternehmen profitieren enorm von der vorherrschenden Illusion, Ökostrom bedeute gleich Energiewende. Dass nur jeder achte von Grünstromwerk befragte Verbraucher weiß, in welchen Ländern der deutsche Ökostrom produziert wird, liegt nicht nur an fehlendem Interesse, sondern eben auch an der mangelnden Transparenz der Ökostromanbieter. So weisen von den 129 der in der Studie untersuchten Anbieter gerade einmal die Hälfte die Herkunftsländer ihres Stroms aus. Nur weniger als ein Viertel machte seinen Kunden genaue Angaben über die Kraftwerke, in denen ihr Grünstrom produziert wird.

 

Beispiel Vattenfall: Der Energieriese lässt die Verbraucher auf seiner Webseite über die Herkunft des Ökostroms im Dunkeln.

Beispiel Vattenfall: Der Energieriese lässt die Verbraucher auf seiner Webseite über die Herkunft des Ökostroms im Dunkeln.

 

Auf den Bau neuer Anlagen kommt es an

„Allein durch den Kauf des Produktes Ökostrom tut man im Grunde nichts Wesentliches für die Energiewende“, erklärt auch Prof. Uwe Leprich, Wirtschaftswissenschaftler an der HTW Saarbrücken im SWR-Magazin marktcheck. Auf den Zubau neuer Anlagen komme es an. Nur dann hätten Ökostromtarife einen „zusätzlichen Effekt“, so Leprich. Ein positives Beispiel: Der Anbieter Naturstrom garantiert seinen Kunden, 1 Cent pro abgenommener Kilowattstunde für den Bau neuer, nationaler Ökostromanlagen zu verwenden. Die bisher geförderten Anlagen in Deutschland, legt der Anbieter auf seiner Webseite offen.

Was macht „echten“ Ökostrom aus?

Unterschiede zwischen den Ökostromanbietern liegen, wie bereits erwähnt, nicht in der physikalischen Qualität oder der geographischen Herkunft des Stroms, sondern vor allem im ökologischen Engagement und den Transparenzbestrebungen der Unternehmen. So garantieren leider nicht alle Anbieter den Zubau neuer Anlagen durch die Einnahmen aus Ökostromtarifen. Einige versprechen, den Strom nicht aus Kraftwerken zu beziehen, die ein bestimmtes Höchstalter überschritten haben. Dadurch tragen sie indirekt ebenfalls zur Förderung neuer Anlagen bei. So garantiert Greenpeace Energie seinen Kunden beispielsweise Strom aus Anlagen, die nicht älter als 5 Jahre sind. Ein weiteres wesentliches Kriterium für einen nachhaltigen Ökostromanbieter ist dessen Unabhängigkeit von Atom- und Kohlekonzernen. Nur so kann man als Verbraucher sicher sein, dass sein Geld nicht über Umwege doch in die Förderung fossiler und atomarer Energieträger fließt.

Grünstromzertifikate bieten Orientierung

Mit Zertifikaten für Ökostrom wie dem ok-power-Label, dem Grüner-Strom-Label oder TÜV-Zertifikaten lassen sich Ökostromanbieter die Zubauwirkung und den ökologischen Nutzen ihres Stroms von unabhängigen Institutionen bescheinigen. Für Verbraucher bieten diese eine wirksame Hilfe, um einen Stromtarif zu finden, mit dem sie wirklich etwas für die Energiewende und den Umweltschutz tun. Allerdings sollte man sich als Kunde auch mit den Anforderungen der verschiedenen Ökostromzertifikate genau auseinandersetzen.

Fazit

Wer Ökostrom bezieht, tut etwas für die Energiewende. Diese Aussage ist zutreffend – zumindest, wenn man sich als Verbraucher für einen der unabhängigen Anbieter entscheidet, die den Bau zusätzlicher Anlagen zur Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse fördern. Mit jeder neu entstehenden Anlage, werden konventionelle Kraftwerke mehr und mehr abgelöst, so dass langfristig ein Umstieg auf grüne Energiequellen erfolgen kann.

In Vergleichen der Stiftung Warentest und der Umweltorganisation Robin Wood schnitten LichtBlick, Naturstrom, EWS Schönau und Greenpeace Energy als unabhängige Ökostromanbieter mit sehr starkem ökologischem Engagement am besten ab.

 

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